Einleitung
In diesem Kapitel wird die Alternative für Deutschland (AfD) als Gesamtorganisation analysiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, ob und inwiefern sich innerhalb der Partei eine bestimmte ideologische Strömung durchgesetzt hat, welche Akteur*innen gegenwärtig die Partei dominieren und ob wirksame Abgrenzungen gegenüber bestimmten Akteur*innen und Strömungen vorgenommen werden.
Zunächst wird die programmatische Entwicklung der AfD nachgezeichnet, um inhaltliche Verschiebungen seit ihrer Gründung sichtbar zu machen (dazu unter A.). Anschließend werden die innerparteilichen Strömungskämpfe rekonstruiert, die die Partei seit 2013 prägen (dazu unter B). Die Analyse der gegenwärtigen Machtzentren untersucht, welche Personen, Netzwerke und Landesverbände aktuell den größten Einfluss ausüben (dazu unter C.). Zudem wird analysiert, ob und mit welchen Konsequenzen die Partei gegen extrem rechte Akteur*innen und Gebietsverbände vorgeht (dazu unter D.).
Im Kapitel zur Jugendorganisation der AfD wird analysiert, ob die Integration der Jugendorganisation in die AfD zu inhaltlicher Mäßigung oder lediglich zu einer stärkeren Kontrolle durch die Mutterpartei geführt hat und ob personelle sowie inhaltliche Kontinuitäten zur aufgelösten Jungen Alternative fortbestehen (dazu unter E.). Daran anschließend wird die Entwicklung der AfD auf europäischer sowie internationaler Ebene untersucht (dazu unter F.). Das abschließende Kapitel analysiert anhand von vier zentralen Akteur*innen — der Identitären Bewegung, dem Institut für Staatspolitik, dem Kampagnennetzwerk Ein Prozent und dem Medienunternehmen Compact —, welche personellen Verflechtungen zur außerparlamentarischen extremen Rechten bestehen und ob die Parteiführung substanzielle Abgrenzungen vornimmt (dazu unter G). Abschließend führt ein Fazit die Befunde zusammen und beantwortet, welche Strömung sich durchgesetzt hat, welche Akteur*innen die Partei heute dominieren und ob sie sich wirksam von der extremen Rechten abgrenzt (dazu unter H).
Die Analyse basiert auf drei Quellentypen. Erstens wird die wissenschaftliche Literatur zur AfD ausgewertet. Zweitens werden Primärquellen herangezogen, darunter Satzungen, programmatische Texte, Reden und Interviews, die Aufschluss über formale Strukturen, offizielle Positionen und Selbstdarstellungen geben. Drittens werden journalistische Recherchen herangezogen, die informelle Netzwerke und interne Vorgänge dokumentieren. Parteidynamiken lassen sich anhand öffentlich zugänglicher Primärquellen häufig nicht vollständig rekonstruieren. Investigative Recherchen bilden daher eine etablierte Grundlage zur Beschreibung solcher Strukturen; sie unterliegen publizistischen Sorgfaltspflichten und redaktionellen Kontrollmechanismen. Die Einordnung zentraler Sachverhalte stützt sich nicht auf einzelne Quellen, sondern ergibt sich aus der Zusammenschau mehrerer Berichte, die denselben Sachverhalt entweder unabhängig voneinander schildern oder unterschiedliche Aspekte beleuchten.
In diesem Kapitel wird keine rechtliche Bewertung vorgenommen; diese erfolgt in Teil 3.