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Lagerkampf auf Landesebene

In Nordrhein-Westfalen wird einer der letzten Lagerkämpfe innerhalb eines AfD-Landesverbands ausgetragen. Der Konflikt besteht zwischen dem Landes­vorsitzenden Martin Vincentz und dem Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich. Vincentz versucht, mit dem Landesverband gemäßigter aufzutreten, um der Einstufung als gesichert rechtsextremistisch entgegenzuwirken. Gleichzeitig arbeitet er jedoch mit Akteuren wie Hans Neuhoff und Christian Blex zusammen, die über lange Zeit dem Höcke-Lager zugerechnet wurden. Helferich steht hingegen für einen besonders radikalen Kurs. Er bezeichnete sich selbst als das „freundliche Gesicht des NS” und verbreitete online ein Meme, in dem Migrant*innen als „Viecher” bezeichnet wurden. Der Machtkampf ist bedeutend, weil es sich um den größten Landesverband der AfD handelt.

Vincentz behauptet sich seit Februar 2022 im Amt des Landessprechers. Zuvor war es keinem anderen Politiker in Nordrhein-Westfalen gelungen, dieses Amt über einen vergleichbar langen Zeitraum auszuüben. Sein Führungsstil steht in der Kritik. Parteiausschlussverfahren sollen unter ihm vergleichsweise häufig angestrengt werden; mehrere Mitglieder sagten gegenüber t-online, viele Verfahren würden einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten. Auch gegen Helferich leitete der Landesvorstand 2024 ein Parteiausschlussverfahren ein, das im Juli 2025 vom Landesschiedsgericht NRW bestätigt wurde (dazu unter D.I.1.d)). Helferich legte Rechtsmittel ein und bezeichnete das Gericht als „Vincentz-Kammer”. Trotz des laufenden Parteiausschlussverfahrens zog Helferich 2025 erneut in den Bundestag ein.

Im März 2026 wurde der neue Landesvorstand in NRW gewählt. Das Helferich-Lager plante, Vincentz durch eine Doppelspitze aus den Bundestags­abgeordneten Christian Zaum und Fabian Jacobi abzulösen. Zaum steht für die völkische Ausrichtung der Partei, Jacobi soll als Jurist auch gemäßigtere Kreise ansprechen. Besonders die Kandidatur von Zaum galt als provokativ, da der Landesverband bereits 2024 seinen Parteiausschluss beantragt hatte.

Der langwierige und von Spannungen geprägte Parteitag konterkariert den Anspruch einer zunehmenden Professionalisierung der Partei. Da Helferich aufgrund des laufenden Ausschlussverfahrens die Mitgliedsrechte entzogen worden waren, konnte er nicht als Delegierter teilnehmen; seine Leute vertraten ihn vor Ort und hielten telefonisch Kontakt. Vincentz versuchte zunächst, einen „Konsensvorstand” auszuhandeln. Der Vorschlag sah eine alleinige Führungsspitze vor, während die übrigen Vorstandsämter paritätisch zwischen beiden Lagern aufgeteilt werden sollten. Helferich lehnte diesen Vorschlag jedoch ab. Kurz darauf beschloss die Versammlung die Einzelspitze, wodurch es zu einer Kampfabstimmung zwischen Vincentz und Jacobi kam. Jacobi unterlag Vincentz knapp mit 43 zu 54 Prozent. Im Anschluss einigten sich beide Lager auf eine Konsensliste für den restlichen Vorstand. Das Helferich-Lager erhielt fünf, das Vincentz-Lager sieben Vertreter. Vincentz’ Lager verfügt nun nicht mehr über die Zweidrittelmehrheit, die für Parteiausschlussverfahren erforderlich ist. Zudem sitzt mit Helferichs Büroleiter Tim Csehan einer seiner Vertrauten im Landesvorstand. Das Lager um Vincentz konnte seine Position im größten Landesverband vorerst knapp behaupten, seine Machtbasis hat sich jedoch verkleinert. Für seine politische Zukunft dürften die Landtagswahlen 2027 entscheidend werden. 

Der Machtkampf ist nicht von der Bundesebene zu trennen. Helferich wird dem Lager von Alice Weidel zugerechnet, während Tino Chrupalla in der Vergangenheit Unterstützung von Vincentz erhielt. Je stärker das Vincentz-Lager in Nordrhein-Westfalen an Einfluss verliert, desto kleiner wird zugleich die Unterstützungsbasis Chrupallas auf Bundesebene (dazu unter C.II.1.b)).

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