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Der neue Bundesvorstand

Jean-Pascal Hohm aus Brandenburg wurde ohne Gegenkandidat*in zum Vorsitzenden der GD gewählt. Nach eigener Aussage wirkte er maßgeblich an der Neugründung der neuen Jugendorganisation mit. Seine Wahl zum Vorsitzenden der GD wurde vom Parteivorstand unterstützt und war im Vorfeld mit zentralen Akteur*innen abgestimmt worden. Das Lager um Alice Weidel hatte sich vorab mit Björn Höcke und Matthias Helferich über die Wahl Hohms und die Zusammensetzung des neuen Vorstands verständigt. Intern werde ihm zugetraut, sowohl völkisch-nationalistische Kräfte als auch gemäßigter auftretende Teile der Partei zu integrieren. In seiner Rede auf dem Gründungskongress sagte er, dass sich die neue Jugendorganisation „nicht in Machtkämpfen instrumentalisieren lassen [werde], sondern mit allen Flügeln und Landesverbänden gut zusammenarbeiten” wolle.

Hohm wurde 2014 mit 17 Jahren zum ersten Vorsitzenden der JA Brandenburg gewählt und trat etwa zur selben Zeit in die AfD ein. Seine frühe politische Karriere war von Kontroversen geprägt. 2017 verlor er eine Anstellung in der AfD-Landtagsfraktion Brandenburg aufgrund von Verbin­dungen zur IB und seiner Anwesenheit bei einem Spiel von Energie Cottbus gegen den SV Babelsberg. Hohm stand neben seinem damaligen Mitbewohner und dem damaligen Vorsitzenden der IB Berlin, Robert Timm, im Fanblock von Energie Cottbus, in dem Hitlergrüße gezeigt und die Parolen „Arbeit macht frei, Babelsberg 03” und „Zecken, Zigeuner und Juden” gerufen wurden. Trotzdem wurde Hohm ab 2019 der Wiedereinstieg in die Brandenburger AfD ermöglicht. Er arbeitete nacheinander für zwei Landtagsabgeordnete, darunter der heutige Vorsitzende der AfD Brandenburg René Springer. Anschließend wurde er Kreisvorsitzender der AfD Cottbus und 2024 erstmals in den Brandenburger Landtag gewählt.

Hohm steht ideologisch rechts außen. In einer RBB-Podiumsdiskussion vom 14. Oktober 2025 bezeichnete er die AfD als „Partei der Deutschen” und konkretisierte dies mit den Worten „[u]nd auch der autochthonen Deutschen.” Er warnte vor „Überfremdung” und forderte, Deutschland müsse „das Land der Deutschen bleiben”. Zudem sprach er von „Remigration” und lobte Sellner für sein „Lebenswerk”.

Hohm pflegt Verbindungen in das extrem rechte Vorfeld. Auf die IB an­gesprochen, sagte er: „Wir halten es für wichtig, dass es Vorfeldorganisationen gibt, gerade auch um Debatten anzustoßen.” Eine Abgrenzung lehnte er ab. Gleichzeitig schloss er aus, dass IB-Mitglieder Funktionär*innen in der GD werden würden. In seiner digitalen Selbstinszenierung griff Hohm selbst wiederholt auf IB-Symbolik zurück.

Hohm unterhält außerdem Kontakte zur radikalen Cottbuser Fußball-Fanszene und traf sich mit Mitgliedern von Casa Pound, einer 2003 gegründeten neofaschistischen Bewegung in Italien, die sich auf den faschistischen Dichter Ezra Pound beruft und über besetzte Häuser, Kampf­sport­angebote und popkulturelle Ästhetik vor allem junge Menschen anspricht. Hohm relativierte das Treffen mit Verweis darauf, dass man nicht die gleiche Weltanschauung teile. Die Gruppierung positioniere sich „in der Südtirol-Frage auch gegen Angehörige meines Volkes”, so Hohm.

Hohm trat auch auf Demonstrationen in Cottbus als Redner auf. Dabei rief er Parolen wie „Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen” und „Re-, Re-, Remigration” der Menge zu.

Auch die gewählten stellvertretenden Vorsitzenden der GD sind politisch rechts außen zu verorten. Jan Richard Behr aus Rheinland-Pfalz fiel in der Vergangenheit damit auf, dass er den 8. Mai 1945 geschichtsrevisionistisch als „Tag der Niederlage” bezeichnete. Neben seiner guten Vernetzung in die IB nahm er mindestens zweimal an den Akademien in Schnellroda teil, die von Götz Kubitschek (dazu unter G.I.2) organisiert werden. Im Vorjahr besuchte er außerdem ein AfD-Treffen in Koblenz, bei dem Neonazis anwesend waren. Laut dem neurechten und AfD-nahen Medium Deutschlandkurier soll Behr auch Teil des Münzenmaier-Netzwerkes sein.

Ihm zur Seite steht Adrian Maxhuni. Er führte den niedersächsischen AfD-Jugendverband selbst dann noch weiter, als sich die dortige AfD-Führung bereits von der JA Niedersachsen getrennt hatte. Maxhuni verantwortete im Februar 2023 ein geheimes Treffen, bei dem Pierre Dornbrach (Pseudonym: Peter Steinborn) als Redner auftrat. Dornbrach war zu diesem Zeitpunkt für die Denkfabrik Metapol aktiv, die aus dem Umfeld der Partei Die Heimat (ehemals NPD) hervorgegangen ist. Zuvor war er „Bundesschulungsleiter” bei der Jugendorganisation der NPD.

Als weiterer Stellvertreter fungiert Patrick Heinz aus Nordrhein-Westfalen, der als Vertrauter von Matthias Helferich gilt. Heinz hatte im Vorfeld befürchtet, dass eine „neue Jugendorganisation zu vorsichtig” sein und zu einem „Kettenhund” der eher gemäßigten Kräfte der Partei werden könne. In seiner Wahlrede sagte er:

Lasst mich also Teil der Vorhut sein dieser neuen Generation, dieser Generation Deutschland und zusammen kämpfen wir dafür, dass Deutschland das Land der Deutschen bleibt.

Zum Finanzbeauftragten wurde Lennard Scharpe aus Sachsen gewählt. Er veranstaltete 2024 gemeinsam mit einem identitären Autor eine Tagung in Tschechien. Seine Stellvertreterin wurde Reinhild Goes. Sie sagte in ihrer Rede auf dem Gründungskongress, dass sie

[b]esonders als junge Frau spüre […], wie sehr sich unsere Gesellschaft verändert, wie Massenzuwanderung und Überfremdung unsere innere Sicherheit und unsere kulturelle Identität zerstört. Deutschland schafft sich ab.

Zum Schriftführer wurde Christopher Wiedenhaupt gewählt.

Als Beisitzer*innen wurden acht Personen gewählt. Kevin Dorow aus Schleswig-Holstein leitet als Chefredakteur die Burschenschaftlichen Blätter, eine Publikation der Deutschen Burschenschaft. Zudem war er an der Organisation des „Tag des Vorfelds” im Sommer 2024 in Neumünster beteiligt, an dem Publizist*innen und Organisationen aus der außerparlamentarischen extremen Rechten teilnahmen. In seiner Wahlrede zitierte er den Leitsatz der Hitler­jugend: „Jugend muss durch Jugend geführt werden.” Der AfD-Bundes­vorstand beantragte gegen Dorow ein Parteiausschlussverfahren, nahm den Antrag jedoch zurück und verhängte stattdessen eine zweijährige Amtssperre (siehe oben D.I.1.e)). Julia Gehrckens aus Niedersachsen betonte in ihrer Rede ihr Engagement für Lukreta, eine Organisation, die aus der IB hervor­gegangen ist, die wiederum auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD steht. In ihrer Rede sagte Gehrckens: „Nur millionenfache Remigration schützt unsere Frauen und Kinder.” Florian Ruß aus Sachsen-Anhalt diffamierte auf Social Media Schutzsuchende als „Invasoren”, forderte öffentlich, Fluchtschiffe zu „versenken” und inszenierte sich mit einer Schusswaffe. Auch seine Kontakte in das neurechte Vorfeld sind dokumentiert. Er verteilte nach eigenen Angaben 3.000 Flugblätter für den Verein Ein Prozent (siehe G.I.3). Zudem zeigte er in sozialen Medien Nähe zum neonazistischen Milieu, indem er Beiträge des damaligen NPD-Vorsitzes likte. Cedric Krippner aus Nordrhein-Westfalen erhielt auf dem Gründungskongress großen Beifall für seine explizite Forderung nach „millionenfacher Remigration.” Er sagte zwar, dass er keinen Kontakt zur IB habe, diese aber „wie die AfD ein Teil der Mosaikrechten” sei und dass er „prinzipiell ihren kreativen, friedlichen Protest” begrüße. Ein Foto zeigt ihn mit einem Lebkuchenherz mit der Aufschrift „mehr IB wagen”. Helmut Strauf aus Bayern forderte in seiner Rede: „Wir müssen abschieben, abschieben, abschieben, bis Deutschland wieder Heimat wird.”

Ebenfalls zu Beisitzern gewählt wurden Nafiur Rahman aus Hessen, Alexander Claus aus Thüringen sowie Wendelin Fessl aus Mecklenburg-Vorpommern. Fast alle Mitglieder des Vorstands hatten zuvor Funktionen in der JA inne.

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