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Die Bundes- und Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla

Die Doppelspitze ist in der deutschen Parteienlandschaft vor allem bei linken Parteien verbreitet, etwa bei Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und zuletzt auch der SPD. Sie dient in der Regel dazu, unterschiedliche innerparteiliche Strömungen abzubilden. In der AfD sollte Tino Chrupalla als Handwerker aus Sachsen Bodenständigkeit und die ostdeutschen Landesverbände repräsen­tieren. Er galt als „Kompromisskandidat”, der nicht dem „Flügel” zugerech­net wurde, von diesem jedoch akzeptiert war. Alice Weidel bildet dazu als promovierte Ökonomin aus Baden-Württemberg mit internationalem Lebenslauf einen Kontrast.

Beide vertreten jedoch keine grundlegend unterschiedlichen innerparteilichen Strömungen. Während Chrupalla in der Vergangenheit Unterstützung vom „Flügel” erhielt, besteht gegenwärtig eine Zusammenarbeit zwischen dem Lager um Weidel und dem um Björn Höcke. Differenzen zwischen Weidel und Chrupalla zeigen sich vor allem in außenpolitischen Fragen. Chrupalla positio­niert sich russlandfreundlich. Weidel betont stärker die Westbindung und äußert Kritik an Russland. Auch im Nahostkonflikt setzen beide unterschied­liche Akzente. Während Weidel Israels Existenzrecht betonte, lehnte Chrupalla einseitige Solidaritätsbekundungen ab. Zu der zunehmend militaristischen Außenpolitik der US-Regierung grenzten sie sich jedoch gemeinsam ab.

Alice Weidel trat 2013 in die AfD ein. 2015 wurde sie in den Bundesvorstand gewählt, 2017 übernahm sie gemeinsam mit Gauland den Vorsitz der Bundestagsfraktion. Innerhalb der Partei gilt sie eher als Repräsentationsfigur denn als Organisatorin. Aus Parteikreisen heißt es, sie fehle bei wichtigen Sitzungen und sei kein „Arbeitstier”.

Weidel ist promovierte Volkswirtin mit internationalem Lebenslauf, führt eine Partnerschaft mit einer aus Sri Lanka stammenden Frau, mit der sie zwei Kinder hat, und hat einen zweiten Wohnsitz in der Schweiz. Damit entspricht sie nicht dem gängigen Bild einer extrem rechten Politikerin. Zugleich soll sie bereits früh extreme Positionen vertreten haben. In einer Phase, in der sie noch dem Lucke-Flügel zugerechnet wurde, soll sie schon Bezeichnungen wie „kulturfremde[n] Völkern” verwendet haben. 2017 veröffentlichte die Welt Auszüge aus einer E-Mail, die Weidel 2013 geschrieben haben soll. Darin stand:

Der Grund, warum wir von kulturfremden Voelkern wie Arabern, Sinti und Roma etc ueberschwemmt werden, ist die systematische Zerstoerung der buergerlichen Gesellschaft als moegliches Gegengewicht von Verfassungsfeinden, von denen wir regiert werden.

Das Schreiben enthält neben rassistischen und antiziganistischen auch antisemitische Formulierungen und Reichsbürgervokabular. Politiker*innen werden darin als „Schweine” bezeichnet, die „nichts anderes als Marionetten der Siegermaechte des 2. WK” seien, und Deutschland sei nicht „souveraen”. Die E-Mail war mit Weidels Spitznamen „lille” unterzeichnet. Ein Anwalt dementierte, dass Weidel die Verfasserin sei. Zu einer eidesstattlichen Versicherung war sie jedoch nicht bereit. Nach Angaben der Welt liegt hingegen eine entsprechende Versicherung vor, die das Gegenteil beweist.

In späteren Jahren äußerte sich Weidel wiederholt in ähnlicher Weise. In der extrem rechten Zeitung Junge Freiheit schrieb sie etwa, „[d]as muslimische Gemeinwesen ist einzig und allein auf die Errichtung eines Gottesstaates ausgerichtet”, weshalb es für den Islam „keine prinzipielle Religionsfreiheit” geben dürfe. In einem Interview des Tagesspiegels 2017 forderte sie darüber hinaus ein Verbot des Kopftuchs:

Kopftücher gehören aus dem öffentlichen Raum und von der Straße verbannt. Das sollte auf jeden Fall gesetzlich festgelegt werden. Ich bin für ein völliges Verbot von Niqab und Burka — überall. Das Tragen sollte unter eine empfindliche Geldstrafe gestellt werden. Das meine ich ganz ernst. Männer und Frauen sind im Islam nicht gleichberechtigt und das Kopftuch ist ein absolut sexistisches Symbol dafür. Und ich habe auch keine Lust, ständig darüber zu diskutieren. Denn das Kopftuch gehört nicht zu Deutschland.

Auch geschichtsrevisionistischer Narrative bedient sich Weidel. In einem Beitrag auf Facebook schrieb sie 2017:

Nach 1945: Aus dem kollektiven Gedächtnis erfolgreich gelöscht. Die Gräueltaten an der deutschen Bevölkerung nach dem zweiten Weltkrieg. Man hat gewartet bis die Zeugengeneration stirbt, um für immer zu schweigen. Denn es mag so gar nicht zu dem Schuldkult passen.

Weidels politischer Aufstieg ist von strategischem Opportunismus geprägt. Sowohl aktive als auch ehemalige Parteimitglieder vertreten die Ansicht, dass für Weidel der politische Erfolg das maßgebliche Motiv sei. Ihre politische Positio­nierung orientierte sich im Verlauf ihrer Karriere an den jeweiligen innerparteilichen Kräfteverhältnissen.

Zu Beginn ihrer Parteikarriere positionierte sie sich im wirtschaftsliberalen Lager um Bernd Lucke. 2015 wandte sie sich dessen Gegnerin Frauke Petry zu. Später profitierte sie maßgeblich von der politischen Unterstützung durch Alexander Gauland. Schließlich näherte sie sich dem völkisch-nationalistischen Lager an und verzichtete zuletzt auf eine Abgrenzung nach rechts außen. Diese Verschiebungen korrespondierten jeweils mit den veränderten Macht­verhält­nissen in der Partei.

Besonders deutlich zeigt sich diese Entwicklung in ihrem Verhältnis zu Höcke. 2017 unterstützte Weidel nicht nur ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn, sondern galt als eine seiner treibenden Kräfte. Teilnehmende berichten von einem „geradezu aggressiv[en]” Vortrag Weidels im Bundesvorstand, in dem sie sinngemäß forderte: „Solche Leute müssen aus der Partei”. Ab 2018 setzte jedoch eine schrittweise Annäherung ein. Im Juli 2019 berichtete Der Spiegel, dass Weidel und Höcke sich seit etwa einem Jahr mindestens dreimal getroffen hätten. Vermittelt worden seien diese Treffen vom Leiter des extrem rechten Instituts für Staatspolitik (IfS) Götz Kubitschek (siehe G.I.2). Sie hätten entschieden, einander künftig nicht mehr öffentlich anzugreifen. Kubitschek erklärte gegenüber dem Spiegel, Weidel wisse längst, „dass die Partei Björn Höcke und sein Netzwerk nicht abschütteln kann, ohne Schaden zu nehmen”. Weidel sagte gegenüber der extrem rechten Zeitschrift Junge Freiheit: „Von einem Bündnis zu sprechen, ist völliger Unsinn.” Im September 2019 besuchte Weidel eine Veranstaltung des IfS in Schnellroda und äußerte sich positiv über die dortige Dynamik.

Der Journalist Frederick Schindler attestierte Weidel zeitweise eine „Doppelgesichtigkeit”. Im Aufruf „Appell der 100” im Juli 2019 kritisierten Funktionär*innen den Personenkult um Höcke. In einer Textnachricht an einen der Initiatoren soll Weidel die Initiative als „[s]uper Aktion” gelobt haben. Öffentlich distanzierte sie sich in einer Pressemitteilung jedoch von dem Vor­gehen. Mit dieser Strategie — intern kritisch, extern loyal — vermied sie einen offenen Bruch mit dem völkisch-nationalistischen Lager.

Im Juni 2023 stellte sich Weidel öffentlich hinter Höcke. In einem Interview mit dem Sender Welt-TV wies sie dessen Einstufung durch den Verfassungsschutz zurück: „Herr Höcke ist kein Rechtsextremist.” Höcke wiederum demonstrier­te Unterstützung für Weidel bei ihrer Nominierung zur Kanzlerkandidatin im Dezember 2024. Er applaudierte in der ersten Reihe und erklärte vor Kameras, beide hätten seit 2017 viele Gespräche geführt und gemeinsame Standpunkte entdeckt. Weidel nehme nun die führende Rolle ein, entscheidend bleibe jedoch die gemeinsame Linie. Im Februar 2025 sagte Weidel in der ARD-Sendung Farbe bekennen, einen Fehler begangen zu haben, als sie das Partei­ausschlussverfahren gegen Höcke unterstützt habe.

Diese Entwicklung verweist auf eine veränderte innerparteiliche Machtlage. Weidel hat sich den Vertreter*innen der völkisch-nationalistischen Strömung angenähert, ohne dadurch ihren Rückhalt in der Partei zu gefährden.

Als einer ihrer engsten Vertrauten gilt der Bundestagsabgeordnete Daniel Tapp, der seit 2017 als ihr Sprecher fungiert. Im Bundesvorstand zählen Marc Jongen aus Baden-Württemberg sowie Dennis Hohloch und Hannes Gnauck aus Brandenburg zu ihren Unterstützern. Hohloch und Gnauck werden dem Netzwerk von Sebastian Münzenmaier zugerechnet. Münzenmaier selbst gilt als Verbündeter Weidels. Sein Netzwerk betrachtet sie als „gut funktionierendes Gesicht der Partei” und positioniert sich entsprechend hinter ihr. Ihre Teilnahme am „Pfalztreffen” von Münzenmaiers Verbündeten, dem Landtags­abgeordneten aus Rheinland-Pfalz Damian Lohr, unterstreicht diese Verbindung. Darüber hinaus bestehen gute Kontakte zu Höcke und seinem Umfeld. In ihrem eigenen Landesverband Baden-Württemberg sah sie sich lange einer besonders lautstarken Opposition gegenüber. Das änderte sich erst 2024; nach einem konfliktträchtigen Parteitag in Rottweil übernahm das Pro-Weidel-Lager im Februar die Kontrolle über den Landesvorstand.

Laut ihrem Sprecher Tapp soll Weidel über eine breite und loyale Basis verfügen. Gegenüber dem Tagesspiegel sagte er:

Sie profitiert sehr davon, dass sie die Partei seit vielen Jahren gut kennt und hat viele direkte Handynummern von Vertretern auf Kreisverbandsebene und über Lager hinweg.

Tino Chrupalla ist seit 2015 Mitglied der AfD. 2017 wurde er als Direktkandidat des Wahlkreises Görlitz in den Deutschen Bundestag gewählt. Im November 2019 wurde er Co-Bundessprecher und im September 2021 zum Co-Vorsitzenden der Bundestagsfraktion. Er ist gelernter Malermeister, lebt in Sachsen, ist verheiratet und hat drei Kinder.

Innerhalb der Partei gilt Chrupalla als „Kümmerer” und als fleißig. Er absolviere zahlreiche Termine, suche auf Reisen durch das Bundesgebiet den direkten Kontakt zur Parteibasis und befasse sich mit innerparteilichen Pro­blemen. Selbst Kritiker*innen bescheinigen ihm, mehr zu arbeiten als Weidel.

Chrupalla gehörte zwar nicht dem „Flügel” an, genoss jedoch dessen Unterstützung und distanzierte sich auch nicht vom Netzwerk. In einem Interview mit dem Journalisten Theo Koll im ZDF am 2. Dezember 2019 sagte er auf den „Flügel” angesprochen:

Wenn man hier gewählt werden möchte, und das hat auch dieser Bundesparteitag gezeigt, muss man lagerübergreifend Positionen vertreten können. Das tue ich, ich wirke integrierend.

Im selben Interview wurde er darauf angesprochen, dass er in der Vergangenheit selbst den Begriff „Umvolkung” verwendet habe. Nachdem er dies zunächst verneint hatte, sagte er, dass er den Begriff „nicht für rechtsextrem” halte. Später im Gespräch wurde ein Videoausschnitt aus 2018 eingeblendet, in dem ein Mann gegenüber Chrupalla von einem „Völkermord” an den Deutschen spricht. Im selben Videoausschnitt sagte Chrupalla daraufhin, dass schon Pegida vor der „Islamisierung des Abendlands” gewarnt habe und dies inzwischen Realität sei. Der Aussage des Mannes, die „Jungs”, also die NS-Kriegsverbrecher der Nürnberger Prozesse, seien „am Galgen geendet”, widersprach Chrupalla nicht. Nach Einblendung des Videos behauptet Chrupalla auf Nachfrage Kolls, er habe dem „sehr wohl widersprochen”.

Seit seinem Amtsantritt als Bundessprecher 2019 kritisierten insbesondere westdeutsche Landesverbände ein aus ihrer Sicht wenig staatsmännisches Auftreten. Gemäßigtere Kreise warfen ihm zudem früh problematische Positionen gegenüber Russland und eine zu große Nähe zum völkisch-nationalistischen Spektrum vor.

Chrupalla war 2019 mit der Unterstützung des „Flügels” an die Parteispitze gewählt worden. Inzwischen hat er jedoch den Rückhalt dieses Lagers verloren. Dies ist unter anderem auf seinen Umgang mit dem AfD-Spitzen­kandidaten für die Europawahl 2024 zurückzuführen. Er warf Maximilian Krah öffentlich „Egomanie” vor und soll dafür gesorgt haben, dass Krah nicht in die Delegation fürs EU-Parlament aufgenommen wurde. Kritiker*innen interpre­tierten das Vorgehen als Versuch, die Partei strategisch moderater erscheinen zu lassen. Krah selbst hat inzwischen das Ansehen im völkischen Teil der Partei verloren. Hinzu kommt, dass Chrupalla sich Unterstützung in den Landes­verbän­den sucht, die zumindest nach außen versuchen, weniger radikal aufzutreten.

Im Vorfeld des Bundesparteitags in Essen 2024 wurde öffentlich über das politische Ende Chrupallas an der Parteispitze spekuliert. Überraschenderweise erhielt er dennoch 82,7 Prozent der Stimmen und damit ein besseres Ergebnis als Weidel, die 79,8 Prozent erreichte. Diesen Erfolg erzielte er nach Informationen des Spiegels durch Stimmen von Personen, die Weidel schwächen wollten oder dem völkischen Kurs kritisch gegenüberstehen. Er wurde vor allem von den großen Landesverbänden Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen unterstützt. Zudem hat er eine Gruppe aus dem Landesverband Sachsen und Teile des Landesverbands Sachsen-Anhalt hinter sich. Es gibt parteiinterne Stimmen, die behaupten, er habe im Vorfeld dazu aufgerufen, Weidel mit weniger Stimmen zu unterstützen, um den Abstand zwischen beiden Ergebnissen zu begrenzen. Obwohl Chrupalla an Eides statt versicherte, nicht gegen sie mobilisiert zu haben, soll das Verhältnis weiterhin belastet sein.

Inzwischen ist Chrupallas Position auch in den Landesverbänden Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen geschwächt. Im März 2026 berichtete Der Spiegel, dass man in Niedersachsen verärgert sei, weil er die Einsetzung einer „Vertrauensgruppe” zur Aufklärung des Verdachts auf Veruntreuung von Parteispenden gegen Landeschef Schledde nicht verhindert habe. Die knappe Wiederwahl von Martin Vincentz als Landesvorsitzender in Nordrhein-Westfalen im März 2026 schwächt zugleich Chrupallas Position. Zwar bleibt Vincentz im Amt, doch das knappe Wahlergebnis zeigt, dass sein Lager an Zuspruch verliert (siehe oben B.VI).

Zwischen Weidel und Chrupalla besteht eine deutliche Machtasymmetrie. Beobachter*innen bezeichnen Weidel als „mächtigste Person innerhalb der AfD” und als „Gesicht der Partei”. Chrupalla steht demgegenüber partei­intern zunehmend unter Druck. Teilweise wird spekuliert, er könne mittelfristig seine Position verlieren. Die Asymmetrie zeigte sich deutlich bei Weidels Wahl zur alleinigen Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025. Nach Chrupallas Angaben erfolgte Weidels Nominierung im Bundesvorstand mit Unterstützung sämtlicher Landesvorsitzender. Chrupalla sicherte ihr öffentlich Unterstützung zu. Die zukünftige Rollenverteilung beschrieb er mit einer Fußballmetapher. Er sehe sich als „Libero”, der Weidel dabei unterstütze, als „Stürmerin so viele Tore wie möglich” zu erzielen.

Besonders gefährdet wäre Chrupallas Position durch die Einführung eines Generalsekretärs. Nach Informationen des ZDF wünscht sich das sogenannte Münzenmaier-Netzwerk (dazu unter C.II.2) Weidel als alleinige Partei­vorsitzende. Sebastian Münzenmaier soll ihr in einer neu zu schaffenden Position des Generalsekretärs zur Seite stehen. Berichten von Augenzeugen zufolge reagierte Chrupalla äußerst nervös, als er von dem Vorhaben erfuhr. Er habe den Vorstoß als „direkten Angriff” auf seine Person empfunden; eine Stellung­nahme dazu lehnte er jedoch ab. 13 von 16 Landesvorsitzenden sowie weitere Funktionär*innen forderten in einem Antrag, das neue Amt einzuführen. Der Parteitag überwies den Vorschlag nach kontroverser Debatte vorerst an den Satzungsausschuss. Die Entscheidung ist damit vertagt, ohne dass eine inhaltliche Klärung erfolgt ist.

Für den Bundesparteitag im Juli 2026 in Erfurt ist dennoch eine erneute gemeinsame Kandidatur vereinbart worden. Gegenüber Welt sagte Chrupalla im Januar 2026:

Weidel und ich haben die Partei weiter professionalisiert und noch erfolgreicher gemacht. Diesen Kurs würde ich gerne gemeinsam fortsetzen und werde daher erneut kandidieren. Unsere Doppelspitze hat sich absolut bewährt, unsere Zusammenarbeit ist sehr vertrauensvoll.

Fazit: Die Bundes- und Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla

Abschnitt betitelt „Fazit: Die Bundes- und Fraktionsvorsitzenden Alice Weidel und Tino Chrupalla“

Die Analyse der Doppelspitze verdeutlicht den Wandel der AfD von einer durch Richtungsstreitigkeiten geprägten Führung hin zu einer konsolidierten Machtstruktur unter Dominanz des rechtsaußen Spektrums. Während das Modell der Doppelspitze ursprünglich unterschiedliche regionale und inhaltliche Strömungen abbilden und austarieren sollte, ist dies durch eine Befriedung des Strömungskampfes nicht mehr in vergleichbarer Weise nötig.

Beide kooperieren innerparteilich nicht entlang stabiler ideologischer Lager, sondern nach pragmatischen Machtlogiken. Weidel vertrat schon früh extrem rechte Positionen, orientierte sich taktisch jedoch stets an den jeweiligen innerparteilichen Machtverhältnissen — von den Anfängen im wirtschafts­liberalen Lager über die Ära Petry und Gauland bis hin zur Annäherung an das völkisch-nationalistische Lager. Ihr Kurswechsel gegenüber Höcke ist kein Beleg für inhaltliche Radikalisierung, sondern für konsequenten Opportunismus. Heute ist sie die zentrale Führungsperson der AfD, was sich unter anderem in ihrer Wahl zur alleinigen Spitzenkandidatin für die Bundestagswahl 2025 zeigte.

Chrupalla gelangte mit Unterstützung des damaligen „Flügels” an die Partei­spitze, ohne selbst Teil dieses Netzwerks zu sein. In den vergangenen Jahren verlor er jedoch Rückhalt in diesem Lager. Er suchte verstärkt Unterstützung in westdeutschen Landesverbänden, insbesondere in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, die zumindest nach außen gemäßigter auftreten. Diese Macht­basis erweist sich jedoch als fragil: In Nordrhein-Westfalen schwächt ein anhaltender Machtkampf das ihm nahestehende Lager. In Niedersachsen sorgte sein Umgang mit dem Parteispendenskandal gegen die Landesführung für Verärgerung. Chrupallas geschwächte Position geht nicht mit einer Schwächung des völkisch-nationalistischen Lagers einher — es ist nun Weidel, die dieses Lager als Machtbasis nutzt.

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