Fazit: EU und Auslandsverbindungen
Die parlamentarische Entwicklung der AfD auf europäischer Ebene lässt sich als eine kontinuierliche Rechtsbewegung lesen, die von der eher nationalkonservativen Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) über die rechtspopulistische bis rechtsextreme Identität und Demokratie (ID) bis hin zur Federführung in der Fraktion Europa der Souveränen Nationen (ESN) führt (siehe oben F.I). Schloss die AfD-Führung unter Bernd Lucke 2013 eine Kooperation mit dem damaligen Front National (heute Rassemblement National) aus Sorge um das eigene bürgerliche Image noch aus, suchten spätere Parteisprecher aktiv die Nähe zu Marine Le Pen. Le Pen distanzierte sich wiederum 2024 von der AfD, nachdem Maximilian Krah in einem Interview die pauschale Einstufung von SS-Angehörigen als Verbrecher infrage gestellt hatte, und betrieb den Ausschluss der AfD-Delegation aus der ID-Fraktion.
Hierin zeigt sich die untypische Entwicklung der AfD im Vergleich zu anderen großen rechten Parteien in Europa wie dem Rassemblement National oder der Fratelli d’Italia. Diese haben sich zumindest nach außen strategisch gemäßigt, um regierungs- oder koalitionsfähig zu werden. Die AfD hat sich hingegen seit ihrer Gründung radikalisiert. Die wechselnden Fraktionszugehörigkeiten spiegeln sowohl die innerparteiliche Radikalisierung der AfD als auch die Dynamik im europäischen Rechtsaußenlager wider. Welche Parteien dabei als Partner infrage kamen, hing stets von beiderseitigen strategischen Interessen ab.
Über diese Beziehungen hinaus sucht die AfD gezielt Kontakte zu illiberalen und autoritären Regierungen sowie politischen Kräften. Diese Verbindungen sind jedoch nicht widerspruchsfrei. Die russlandfreundliche Linie ist innerhalb der Parteispitze umstritten: Reisen nach Russland und Treffen mit Kreml-Vertretern führten wiederholt zu internen Spannungen. Die Annäherung an das Umfeld von Donald Trump dient unter anderem dazu, das Narrativ politischer Ausgrenzung der AfD im Inland international zu verbreiten (siehe oben F.III).
Der weitgehend unumstrittene außenpolitische Orientierungspunkt war lange Ungarn unter Viktor Orbán. Vor allem die Betonung nationalstaatlicher Souveränität und die Zurückdrängung von EU-Kompetenzen dienten der AfD als erstrebenswertes Ziel. Zur Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) pflegt die AfD ihre engste und beständigste strategische Partnerschaft (siehe oben F.II).