Zum Inhalt springen
Interaktive Ergebnisse Spenden

Compact

Das Medienunternehmen Compact wurde 2010 gegründet. Es veröffentlicht unterschiedliche Publikationen und Formate, darunter die Monatszeitschrift „COMPACT — Magazin für Souveränität” und das YouTube-Format COMPACT-TV mit rund 580.000 Abonnent*innen (Stand Juni 2026). Geschäftsführer und Chefredakteur ist Jürgen Elsässer.

Der Soziologe und Rechtsextremismusforscher Felix Schilk beschreibt Compact als „Schar­nier­me­dium” der neurechten und sogenannten alternativen Medienszene. Das Konzept von Compact bestehe daraus, „unter­schied­li­che poli­ti­sche Milieus durch stra­te­gi­sche The­men­set­zun­gen, ein popu­lis­ti­sches Framing sowie ver­bin­dende ver­schwö­rungs­ideo­lo­gi­sche Nar­ra­tive zusam­men­zu­brin­gen und zu radi­ka­li­sie­ren.” Dabei nutze es gezielt aktuelle gesellschaftliche Debatten, spitze sie zu und lenke sie auf Feindbilder um.

Bis 2014 prägte eine anti­im­pe­ria­lis­ti­sche Sicht auf die internationale Politik die Inhalte. Die Titelthemen des Jahrgangs 2014 griffen „anti­ame­ri­ka­ni­sche, anti­zio­nis­ti­sche und dezi­diert pro-rus­si­sche Talking Points” auf. Ab 2014 dominierten islam- und migrationsfeindliche Themen das Magazin. Zudem unterstützte es die deutschlandweiten asylfeindlichen Demonstrationen der Jahre 2015 und 2016. Elsäs­ser trat bei Pegida und dem Leip­zi­ger Ableger Legida auf und warb dort für sein Magazin. Pegida finanzierte im Jahr 2015 wiederum aus Spendengeldern Abonnements des Magazins und verschenkte diese.

Während der COVID-19-Pandemie versuchte Compact, als koordinierende Plattform verschiedener Protestbewegungen aufzutreten, indem es unter­schiedliche Debatten miteinander verknüpfte. Mit der Verschwörungserzählung des Great Reset bündelt das Medium verschiedenste Krisenphänomene — von der Pandemie über die Energiewende bis hin zum Krieg gegen die Ukraine — in einer Metaerzählung.

Eine konstante Linie des Magazins ist die ausgeprägt pro-rus­si­sche Haltung. Es erschienen sechs Titelbilder mit dem rus­si­schen ultranationalistischen Philosophen und Publizisten Alek­sandr Dugin. 2014 veröffentlichte Compact in der ersten Ausgabe von „Compact Edition” übersetzte Reden des russischen Präsidenten Wladimir Putin.

Das Bundesverwaltungsgericht sieht Anhaltspunkte dafür, dass Compact die Menschenwürde verletze und gegen das Demokratieprinzip verstoße. Zudem erkennt das Gericht Hinweise auf eine „kämpferisch-aggressive Haltung”. Das personelle und organisatorische Netzwerk rund um Jürgen Elsässer, der „Elsässer-Kreis”, vertrete zwar „verfassungsfeindliche Positionen” und auch das Merkmal des Sichrichtens gegen die verfassungsmäßige Ordnung lasse sich annehmen, die verbotsrelevanten Äußerungen und Aktivitäten erreichten in der Gesamtwürdigung jedoch „noch nicht die Schwelle der verfassungsfeindlichen Prägung”. Das Bundesverwaltungsgericht hob am 24. Juni 2025 das Verbot aufgrund der Unverhältnismäßigkeit auf. Dieses hatte Bundesinnenministerin Nancy Faeser im Juli 2024 gegen die Compact-Magazin GmbH erlassen.

Das Bundesverwaltungsgericht stellte allerdings fest, dass sich der „Elsässer-Kreis” mit dem als menschenwürdewidrig eingestuften ‚Remigrationskonzept’ Martin Sellners identifiziere. Als einen Anhaltspunkt für diese Verbundenheit wertete es die langjährige Unterstützung Sellners durch Compact. Das Medium habe Sellner über alle Kanäle hinweg eine breite Plattform geboten.

In zahlreichen Beiträgen vertrete Compact darüber hinaus „völkische Vorstellungen”. Dies zeige sich exemplarisch in einem Beitrag Elsässers, in dem er den Begriff „Volk” ethnisch definiert:

Volk: Nicht Bevölkerung und nicht Gesellschaft. Der Begriff Volk bewahrt den ethnischen Kern unserer Gemeinschaft. Und er ist die Grundlage für Demokratie (= Volksherrschaft). Ausländer, Fremde: Dient der klaren Unterscheidung zwischen Menschen, die dieses Land mit aufgebaut und hier Wurzeln geschlagen haben, und bloßen Zugewanderten und Passdeutschen.

Nach Einschätzung des Gerichts beschreiben zahlreiche Beiträge Zugewanderte pauschal in abwertender Weise. Ein besonders drastisches Beispiel sei die Darstellung schwarzer Migrant*innen als ausschließlich triebgesteuert. In einem Editorial heißt es:

Fast alle Schwarzen, die sich auf den Seelenverkäufern von Rackete und Co. drängeln, sind junge, kräftige Männer, gestählt im Dschungel- und Straßenkampf. Die Armen, Kranken, Kinder und Alten haben sie zu Hause zurückgelassen oder führen sie lediglich als Staffage mit. In Rudeln stürzen sie sich zum Beutemachen auf unseren Kontinent, ihr erstes Opfer sind unsere Frauen.

Das Gericht stellte fest, dass sich die systematischen Herabsetzungen vor allem gegen Muslim*innen und Migrant*innen aus Afrika richteten. Diese Gruppen würden aufgrund ihrer Religion und Herkunft gezielt „verächtlich gemacht”, zum Beispiel indem behauptet werde, dass „bestimmte ausländische Populationen […] ihr Familieneinkommen dadurch [finanzierten], dass sie ein Kopftuch-Mädchen nach dem anderen machten.”

Aus der Verbotsbegründung des Bundesministeriums des Innern geht zudem hervor, dass Beschäftigte von Compact, die Verbindungen zur NPD haben, unter Pseudonymen geführt werden.

Elsässer betrachtet die AfD als Teil einer umfassenden politischen Bewegung. Auf der Compact-Konferenz im Januar 2017 veranschaulichte er die angestrebte Zusammenarbeit mit rechtsextremen und neurechten Akteur*innen durch eine Metapher: „Alle zusammen, in großer Einheit: Pegida, IB, AfD, Ein Prozent, COMPACT! Fünf Finger, alle kann man einzeln brechen, aber alle zusammen sind eine Faust!”

Compact fungiert für die AfD sowohl als mediales Sprachrohr als auch als politischer Unterstützer bei Wahlen. So veröffentlichte Compact-TV vor der Wahl in Sachsen 2024 ein Interview mit dem Spitzenkandidaten Jörg Urban und übertrug die AfD-Wahlparty aus Thüringen per Livestream, während die etablierte Presse keinen Zugang erhielt. Bereits vor der Bundestagswahl 2017 bot Elsässer eine Schulung für Landes- und Bundestagsabgeordnete der AfD an. Laut einer E-Mail-Einladung, die dem Tagesspiegel vorliegt, sollte das Seminar,

den Parlamentariern Grundlagenwissen in der Frage Realpolitik/Fundamental­opposition […] vermitteln, so dass sie Fallen und Verlockungen der Systemanpassung (die gerade keine Realpolitik ist) erkennen können.

Darüber hinaus sammelte Compact im Rahmen der Kampagne „Blaue Welle” Gelder für eine mobile Kundgebungsbühne; geplant waren insgesamt 90.000 Euro. Die Initiative sollte unter anderem den Europawahlkampf und die Landtagswahlkämpfe in Thüringen, Sachsen und Brandenburg unterstützen. Die AfD reagierte aus parteienfinanzierungsrechtlichen Gründen mit einer Unterlassungserklärung. Im Rahmen der „Blauen Welle” kündigte Compact 2024 auf seiner Website eine umfangreiche Veranstaltungsreihe an, bei der zahlreiche AfD-Funktionär*innen — darunter Björn Höcke, Birgit Bessin, Robert Sesselmann und Christina Baum — als Redner***innen auftreten sollten.

Auch bei weiteren Veranstaltungen von Compact traten AfD-Politiker*innen auf. Seit 2012 veranstaltete das Medium regelmäßig sogenannte Konferenzen. 2014 hielt Alexander Gauland, 2016 André Poggenburg (zu diesem Zeitpunkt noch Mitglied der Partei und Vorsitzender der AfD Sachsen-Anhalt), 2017 Björn Höcke und 2019 Doris von Sayn-Wittgenstein eine Rede auf der Konferenz. Seit 2022 organisiert Compact Sommerfeste. Beim Fest im September 2025 auf dem Rittergut Nöbeditz in Stößen sprach der brandenburgische AfD-Fraktionsvorsitzende Hans-Christoph Berndt.

Mehrere AfD-Funktionär*innen solidarisierten sich öffentlich mit Compact, nachdem das Bundesinnenministerium im Juli 2024 ein Verbot des Magazins verfügt hatte und Compact im anschließenden Eilverfahren erfolgreich war. Dazu zählt unter anderem Hans-Christoph Berndt, der auf X schrieb: „Das Establishment der BRD hält es mit Erich Mielke. Wir halten zu Compact! Jetzt erst recht!” Der Vorsitzende des Landesverbandes Sachsen-Anhalt Martin Reichardt äußerte sich am 14. August 2024 positiv über den Erfolg im Eilverfahren. Alice Weidel übermittelte im September 2024 in einem Interview mit Compact-TV persönliche Grüße an Jürgen Elsässer und seine Frau und lobte, dass Compact „wieder auf Sendung” sei.

AfD-Politiker*innen treten wiederholt als Interviewpartner*innen von Compact auf. So gab beispielsweise Alice Weidel der Zeitschrift im April 2019 ein Interview unter dem Titel „Vom Brexit zum Dexit”, im August 2023 eines unter der Überschrift „Natürlich kann ich Kanzler” sowie im November 2024 mit dem Titel „Die Angriffe werden zunehmen”. Tino Chrupalla war im Juli 2019 mit dem Interview „Unser Ziel sind 30 Prozent” vertreten.

Jetzt deinen Abgeordneten schreiben