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Die Identitäre Bewegung

Die Identitäre Bewegung (IB) bezeichnet sich selbst als Jugendbewegung und macht in Deutschland seit August 2012 durch provokante Aktionen in der Öffentlichkeit auf sich aufmerksam. Nach Angaben von Table.Briefings ist die IB kein Verein mehr, sondern eine Partei. Die Bundeswahlleiterin hat sie im Dezember 2025 in ihre Unterlagensammlung aufgenommen. Vorsitzender der Partei ist Maximilian Märkl (siehe oben D.II.3).

Das Vorbild der Identitären Bewegung Deutschland (IBD) ist die Génération Identitaire aus Frankreich, die Jugendorganisation des Bloc Identitaire. Am 20. Oktober 2012 erlangte diese Bekanntheit, als Identitäre das Dach einer Moschee in Poitiers besetzten. Mit dieser Aktion protestierten sie gegen die vermeintliche „Islamisierung” und „Massenzuwanderung” in Europa. Sie lehnen ein „multi­kulturelles Europa” ab und plädieren stattdessen für eine stärkere Rück­besinnung der Gesellschaften auf ihre jeweilige „nationale Identität”.

Die IB verwendet das Lambda-Symbol in Anlehnung an den Film 300, einen popkulturellen Mythos, in dem wenige Spartaner das Abendland gegen die überlegenen Perser verteidigen. Die Identitären stilisieren sich selbst als heroische Verteidiger*innen Europas, während sie den Islam und Muslim*innen als bedrohliche Invasoren markieren.

Die islamfeindliche Haltung verbindet sich in der Verschwörungsideologie des „Großen Austauschs” zu einer sinnstiftenden Metaerzählung, die auf den französischen Autor Renaud Camus zurückgeht. In seinem Buch „Le Grand Replacement” beschreibt Camus diesen wie folgt:

[D]amit ist zwar vor allem der Austausch eines Volkes gemeint, im konkreten Fall des eingeborenen französischen Volkes durch ein anderes Volk oder mehrere andere Völker; seiner Kultur durch die multikulturalistische Antikultur; seiner einst großen und vielbewunderten Zivilisation durch ein pluriethnisches ‚globales Dorf’, das seinerseits Rivale des muslimisch-fundamentalistischen Projekts der Eroberung der Welt für den Islam und ihrer Bekehrung zum Islam ist.

Camus konstruiert ein Bedrohungsszenarium mit zwei existenziellen Feindbildern: Einerseits Multikulturalismus und Globalisierung, andererseits der Islam. Diese Erzählung erkennt Migration und gesellschaftlichen Wandel nicht als normale Entwicklungen an, sondern deutet sie als planvollen Angriff auf die ‚eigene’ Bevölkerung um. Der IB-Aktivist Martin Sellner führt die Erzählung weiter aus:

Wir wissen genau, daß die Masseneinwanderung Teil eines globalen Zerstörungs­feldzugs gegen alle Völker und Kulturen ist. Wir wissen genau, daß es die eigene Dekadenz und der liberalistische Werteverfall sind, die Europa erst sturmreif für die Invasion der Fremden gemacht haben. Wir wissen vor allem, daß der eigentliche „Feind” im eigenen Land sitzt, daß unsere Eliten, die uns fortgesetzt verraten, sowie unsere Intelligenz, die sich im Ethnomasochismus suhlt, die eigentlichen Urheber der Misere sind.

Sellner konstruiert hier ein dualistisches Weltbild mit klar identifizierten Feinden, die sich sowohl gegen äußere Akteure wie die „Invasion der Fremden” als auch gegen interne Akteure wie die „Eliten” und die „Intelligenz” richten. Die Deutung gesellschaftlichen Wandels als „globalen Zerstörungsfeldzug” mit konkreten Schuldigen folgt dem Muster strukturell antisemitischer Verschwörungs­erzählungen, die komplexe Prozesse auf das intentionale Handeln einer verbor­genen Machtelite reduzieren. Das antisemitische Grundmuster liegt dabei nicht in der expliziten Benennung von Jüdinnen*Juden, sondern in der Konstruk­tionslogik selbst: Eine im Geheimen agierende, mächtige Gruppe, die als wurzellos und kosmopolitisch konstruiert wird, zersetze die Gemeinschaft. Diese Figur entspricht der im NS-Antisemitismus zentralen Vorstellung einer jüdischen Weltverschwörung, die Deutschland und sein Volk in einem Vernichtungskampf bedrohe. Migration erscheint in dieser Logik als gesteuertes Instrument der Zersetzung — was durch martialische Sprache wie „sturmreif”, „Invasion” und „Zerstörungsfeldzug” zur existenziellen Bedrohung stilisiert wird. Dieses Muster findet sich auch bei der AfD wieder (dazu unter Teil 3 A.I.2.b)gg)).

Die IB verzichtet weitgehend auf biologistische Begründungen und argumentiert stattdessen kulturalistisch. Zentral ist dabei das Konzept des Ethnopluralismus, das auf Henning Eichberg zurückgeht und eine Form des Neorassismus ist. Die IB definiert das Konzept folgendermaßen:

Unter Ethnopluralismus verstehen wir die Vielfalt der Völker, wie sie sich über Jahrtausende entwickelt hat. Wir setzen diesen Begriff bewusst als positiven Gegen­entwurf zur One-World-Doktrin ein, um zu verdeutlichen, dass eine rücksichtslose globalistische Entgrenzung diese Vielfalt bedroht. Es gibt ein Recht auf Verschiedenheit. Jedes Volk hat das Recht, ihre Kultur, ihre Bräuche und Traditionen, also ihre ethnokulturelle Identität, zu erhalten. Wir treten für diesen Erhalt ein, hierzulande und in der Welt. Ethnopluralismus bedeutet lediglich: bewahren, nicht zerstören; Unter­schiede wertschätzen, nicht nivellieren.

Der Ethnopluralismus geht davon aus, dass jede ethnische Gruppe eine eigene kulturelle Identität besitzt, die es zu bewahren gilt. Ein Zusammenleben verschiedener Gruppen wird als Bedrohung für die jeweilige Identität und als Ursprung von Konflikten angesehen. Daher wird gefordert, dass diese Gemeinschaften in voneinander getrennten Gebieten leben. Während der klassische Rassismus auf vermeintlich körperliche oder genetische Unter­schiede rekurriert und eine Hierarchie der ‚Rassen’ postuliert, argumentiert der Ethnopluralismus mit kulturellen Differenzen wie Sprache, Religion, Tradition und Werten, spricht diesen aber vermeintlich Gleichwertigkeit zu. Dennoch setzt das Konzept die Homogenität von nationalen Gemeinschaften voraus und fordert die Trennung von Kulturen. Der Politikwissenschaftler Armin Pfahl-Traughber versteht den Ethnopluralismus daher als „‚alten Rassismus’ […] in einer menschenfreundlicheren Verpackung”.

Diese rassistische Grundstruktur wird auch hier durch eine antisemitische Ebene ergänzt. Die Begriffe „One-World-Doktrin” und „globalistische Entgrenzung” sind antisemitische Chiffren, die auf die vermeintlichen Verursacher*innen der abgelehnten Vermischung verweisen. Durch diese codierte Sprache werden antisemitische Ressentiments mobilisiert, ohne Jüdinnen*Juden explizit zu benennen, eine Form des modernen, strukturellen Antisemitismus.

Eines der zentralen politischen Ziele der IB ist es, Migration nach Europa zu verhindern. Dies manifestiert sich in Parolen wie „Festung Europa! Grenzen schützen — Leben retten. Hilfe vor Ort statt Asylwahn”. Darüber hinaus fordert die IB „Remigration”. Diese ist laut Sellner überall dort notwendig, wo die „verträgliche Rate an identitätswahrender Migration überschritten” worden sei. Ziel von ‚Remigration’ ist es, die eigene „ethnokulturelle Identität und Substanz” zu bewahren und dem angeblichen Bevölkerungsaustausch entgegenzuwirken.

Sellner entwickelt in seinem 2024 erschienenen Buch „Remigration: ein Vorschlag” ein umfassendes Konzept für diese Strategie. Er bezeichnet ‚Remigration’ als „Überbegriff für alle Maßnahmen einer rechten Identitäts- und Bevölkerungspolitik […], die den Abbau der Überfremdung zum Ziel habe.” Nur ‚Remigration’ könne „die Umgestaltung Deutschlands zu einem post­demokratischen Vielvölkerstaat aufhalten und umkehren” und sei daher „das Primat jeder rechten Politik”. Sellners Ansatz umfasst drei Gruppen: „Asylanten”, „[s]onstige Ausländer” und „[n]ichtassimilierte Eingebürgerte und Staatsbürger”.

Durch eine Recherche des Recherchenetzwerks Correctiv wurde Sellners Konzept im November 2023 einer breiteren Öffentlichkeit bekannt. Bei einem Treffen in der Villa Adlon am Lehnitzsee in Brandenburg nahmen neben Sellner AfD-Politiker*innen teil: Roland Hartwig, der persönliche Referent von Alice Weidel; die Bundestagsabgeordnete Gerrit Huy und der Vorsitzende der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund. Als Reaktion auf die öffentliche Empörung trennte sich Weidel von ihrem persönlichen Referenten, dessen Arbeitsvertrag „in gegenseitigem Einvernehmen mit sofortiger Wirkung aufgelöst” wurde. Für Siegmund hatte die Teilnahme keine Konsequenzen; er tritt für die AfD Sachsen-Anhalt 2026 als Spitzenkandidat bei der Landtagswahl an.

Am 24. Juni 2025 stufte das Bundesverwaltungsgericht Leipzig im sogenannten Compact-Urteil (BVerwG 6 A 4.24) das von Martin Sellner vertretene ‚Remigrationskonzept’ als menschenwürdewidrig ein (dazu näher unter Teil 3 A.II.3.b)aa)(5)(a)):

Sellners Pläne gehen von einem Vorrang der ethnisch-kulturell Deutschen aus, denen das Heimatrecht in Deutschland exklusiv zusteht. Diese sind gleichsam Staatsbürger erster Klasse. Demgegenüber wird deutschen Staatsangehörigen mit Migrations­hintergrund kein uneingeschränktes Bleiberecht zugestanden. Sie haben den Status von Staatsbürgern zweiter Klasse.

Zwischen der IB und der AfD bestehen personelle Verbindungen und inhaltliche Gemeinsamkeiten. Besonders deutlich wird Letzteres am Begriff ‚Remigration’. Er floss verstärkt in die Parteiprogramme und Kommunikation der Partei ein — einzelne Landesverbände wie Brandenburg oder Thüringen richteten sogar ihre Wahlkampagnen daran aus.

Die gerichtliche Einstufung von Sellners Konzept als verfassungsfeindlich könnte Konsequenzen für die AfD haben. Die Partei klagt derzeit gegen ihre Einstufung als gesichert rechtsextremistisch. Das Verwaltungsgericht Köln entschied im Eilverfahren am 26. Februar 2026, dass diese Hochstufung einstweilen nicht aufrechterhalten werden darf. Das Hauptsacheverfahren steht noch aus. In diesem Verfahren kann das Gericht die Verbindungen zwischen AfD und Sellner als Beleg dafür werten, dass die Partei verfassungsfeindliche Bestrebungen verfolgt — insbesondere da Sellners ‚Remigrationskonzept’ bereits gerichtlich als verfassungsfeindlich eingestuft wurde. Dies könnte die Verteidigungsstrategie der AfD beeinträchtigen. Gleiches würde für ein Verbotsverfahren gelten. Dennoch ist die Partei einschließlich ihrer Führung unfähig oder unwillig, sich klar von Sellner abzugrenzen.

Viele AfD-Politiker*innen bekundeten nach dem Compact-Urteil im Juni 2025 ihre Solidarität mit Sellner, etwa durch Postings wie: „Solidarität mit dem rechten Vorfeld! Wer sich distanziert, verliert!” Diese demonstrative Nähe stellt die Parteiführung vor erhebliche Schwierigkeiten. Laut Informationen von Welt diskutierte der Bundesvorstand 2025 mehrfach über den Umgang mit Sellner. In einer Telefonschalte warnte der ehemalige Leitende Oberstaatsanwalt und Beisitzer im Bundesvorstand Roman Reusch davor, dass gemeinsame Auftritte mit Sellner der Partei im laufenden Gerichtsverfahren schaden könnten. Der Vorstand verständigte sich zwar darauf, dass die Landesvorsitzenden auf Distanz gehen sollten, verzichtete jedoch auf einen formellen Beschluss.

Diese interne Warnung änderte nichts daran, dass AfD-Mitglieder in den darauffolgenden Monaten weiterhin Veranstaltungen mit Sellner besuchten. Im Sommer 2025 trafen sich Beteiligte in Münchner Räumen der AfD. Auf Wider­spruch stieß eine Podiumsdiskussion in Düsseldorf. Nach Informationen des Kölner Stadt-Anzeigers intervenierte der Landesverband Nordrhein-Westfalen und drohte mit Parteiausschlussverfahren. Eine Kooperation mit Sellner könne „nur als parteischädigend angesehen werden”. Die Intervention erfolgte vor dem Hintergrund eines Machtkampfs im Landesverband zwischen dem Vorsitzenden Martin Vincentz, der einen vergleichsweise gemäßigten Kurs verfolgt, und dem radikalen Lager um Matthias Helferich (siehe oben B.VI).

Mitte Januar 2026 kündigte Lena Kotré, stellvertretende Fraktionsvorsitzende der AfD-Landtagsfraktion in Brandenburg, einen Vortrag mit ihrem Mann, dem Bundestagsabgeordneten Steffen Kotré, und Sellner in Luckenwalde an. Die Veranstaltung wurde öffentlich beworben, woraufhin sich die Parteispitze ein­schaltete. Tino Chrupalla erklärte gegenüber Welt, dass er und Weidel unmittel­bar nach Bekanntwerden der Pläne das Gespräch mit dem Brandenburger Landesvorstand gesucht hätten. Kotré sagte die Ver­anstaltung daraufhin am 16. Januar 2026 auf X ab.

Der Rückzug war jedoch lediglich formaler Natur. Zeitgleich mit der Absage kündigte Kotré eine neue Veranstaltung an — diesmal sei sie von Sellner eingeladen worden. Hierdurch wurde der Schein einer parteioffiziellen Veranstaltung vermieden. Die neue Veranstaltung fand am selben Tag und zur selben Uhrzeit statt, allerdings in Süd-Brandenburg und ohne die Beteiligung ihres Mannes. Aus der Partei folgte auf diesen Austausch keine öffentliche Kritik.

Kritik richtete sich vielmehr an die Parteispitze. Der Bundestagsabgeordnete Torben Braga kritisierte Chrupallas und Weidels Verhalten im Fall Kotré auf X:

Zu glauben, wir könnten uns durch vorauseilenden Gehorsam oder die Distanzierung von missliebigen Autoren vor ‚Rechtfertigungszwängen’ schützen, ist ein strategischer Irrtum!

Wer aus Furcht vor der Justiz oder dem Verfassungsschutz die „inhaltliche Substanz” der Partei „aushöhlt”, schade der Partei, nicht umgekehrt.

Nur wenige Tage später, am 26. Januar 2026, trafen sich die Landes- und Bundespolitiker aus Thüringen Björn Höcke, Stefan Möller, Robert Teske und Daniel Haseloff ebenfalls mit Sellner, diesmal sogar im Thüringer Landtag. Haseloff veröffentlichte im Anschluss Bilder des Treffens auf X mit der Aussage:

Der wichtigste Pfeiler der Demokratie ist der Diskurs. Daher war es mir eine Freude, heute @Martin_Sellner im Thüringer Landtag begrüßen zu dürfen. Er ist eine der meist dämonisierten Personen Europas. Ich wollte mir mein eigenes Bild machen. Danke für den Besuch! #AfD

Lena Kotré bekräftigte diese Haltung, indem sie den Beitrag mit dem Kommentar teilte: „Debatte statt Dämonisierung: 2026 ist das Jahr der Remigration.”

Die Reaktion der Parteispitze fiel bemerkenswert defensiv aus. Am 27. Januar 2026 rechtfertigte Weidel das Treffen Kotrés auf einer Pressekonferenz im Bundestag damit, dass diese lediglich „den Auflagen gefolgt” sei, da es sich um keine AfD-Veranstaltung gehandelt habe. Es sei legitim, sich auf einem Podium „mit jedem” zu unterhalten. Eine Distanzierung von Sellners Konzept blieb aus, stattdessen betonte Weidel, Kotré habe das offizielle Konzept der AfD vertreten. Diese Linie stützte auch der parlamentarische Geschäftsführer Bernd Baumann, der am 27. Januar 2026 gemeinsam mit dem stellvertretenden Bundessprecher Stephan Brandner eine Pressekonferenz im Bundestag hielt. Der bloße Austausch berühre den Unvereinbarkeitsbeschluss nicht, so Baumann.

Anfang Februar verschickte die Bundesleitung schließlich eine Mitteilung an sämtliche Vorstände auf Landes-, Bezirks- und Kreisebene, die t-online vorliegt. Darin legte sie fest, dass „Parteiveranstaltungen” mit Sellner künftig nicht mehr stattfinden dürften und bezog sich auf das Positionspapier zu ‚Remigration’ aus dem Jahr 2024, in dem sich die Partei von Sellners Konzept abgrenzt, sowie auf die Erklärung zum deutschen Staatsvolk und zur deutschen Identität von 2021. Ursprünglich sollte eine wesentlich klarere Abgrenzung von Sellner beabsichtigt gewesen sein.

Ungeachtet dessen unterstützte der Brandenburger AfD-Fraktionsvorsitzende Hans-Christoph Berndt Sellner und sein Konzept öffentlich. Er finde den Beschluss falsch und bestritt, dass das „Konzept verfassungswidrig” sei. Mehrere Abgeordnete sowie Funktionär*innen verlangten sogar, dass die Partei jegliche Distanzierung gegenüber Sellner aufgebe.

Die Auseinandersetzung der AfD mit Sellner offenbart keine kohärente Parteiposition, sondern ein Spannungsverhältnis zwischen unterschiedlichen Akteur*innen. Der Bundesvorstand versucht durch formale Regelungen eine gewisse Abgrenzung zu bewirken. Die im Februar 2026 veröffentlichte Mitteilung untersagt Parteiveranstaltungen mit Sellner, lässt andere Treffen und informelle Kooperationen jedoch zu — Umgehungsmöglichkeiten, die sofort genutzt wurden. Selbst dieser schwache Beschluss stieß auf offenen Widerstand. Eine inhaltliche Distanzierung von Sellners verfassungsfeindlichem ‚Remigrationskonzept’ blieb aus.

Die demonstrative Solidarität von Funktionär*innen mit Sellner, etwa durch Haseloff oder Kotré, sowie die direkte Kritik am Verhalten der Parteispitze durch Braga und Berndt zeigen, dass die vorfeldnahen Kräfte innerhalb der Partei die Intervention der Bundesspitze nicht als verbindliche Richtlinie akzeptierten, sondern offen zurückwiesen. Die Parteiführung erwies sich als unfähig oder unwillig, diesen Einfluss zu beschneiden, und beschränkte sich darauf, durch formale Regelungen nach außen den Anschein entschlossenen Handelns zu erwecken.

Neben unzähligen Solidaritätsbekundungen und positiven Bezügen gegenüber der IB sind ihre Akteur*innen auch in den Parlamentsbetrieb eingebunden. Nach einer Recherche des Bayerischen Rundfunks (BR) aus dem März 2024 arbeiteten zu diesem Zeitpunkt mehr als zehn Personen aus dem Umfeld der IB für die AfD-Fraktion und ihre Abgeordneten. Dazu zählten Aktivist*innen, die sich aktiv an Protesten oder Aktionen beteiligten, Texte für einschlägige Publikationen der Szene schrieben oder sich in der identitären Frauengruppe Lukreta einbrachten. Unter ihnen ist Marie-Thérèse Kaiser, die bis April 2024 für den parlamentarischen Geschäftsführer Bernd Baumann tätig war und aktuell persönliche Mitarbeiterin von Alice Weidel ist. Für den inzwischen aus der Partei ausgeschlossenen Bundestagsabgeordneten Jan Wenzel Schmidt arbeitete der IB-Kader Mario Müller, der im Bundestag Hausverbot hat und zuvor in der Jugendorganisation der NPD (heute Die Heimat) aktiv war.

Über den BR-Bericht hinaus sind weitere Verbindungen dokumentiert. So arbeitete der ehemalige stellvertretende Bundesvorsitzende der IB, Daniel Fiß, zunächst im Landtagsbüro von Holger Arppe, der 2018 aus der Partei ausgeschlossen wurde. Später wurde er persönlicher Referent des AfD-Fraktions­vorsitzenden Nikolaus Kramer im Landtag Mecklenburg-Vorpommern. Jonas Schick, Herausgeber der neurechten Zeitung Die Kehre und IB-Mitglied, unterstützte 2018 den Bundestagsabgeordneten Frank Magnitz beim Aufbau seines Regionalbüros. 2023 arbeitete er zudem für den Bundes­tags­abgeordneten Rene Springer. Im Bundesvorstand der GD engagiert sich Julia Gehrckens aus Niedersachsen, die nach eigenen Angaben bei Lukreta aktiv ist.

Eine besondere Nähe zur IB zeigt sich insbesondere in der Jugendorganisation der Partei (siehe oben E.).

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