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Russland

Die Politikwissenschaftler Wolfgang Schroeder und Bernard Weßels bescheinigen der AfD seit ihrer Gründung eine ausgeprägt russlandfreundliche Linie, die sich im Laufe der Zeit verstärkt habe.

Bereits 2015 reiste der damalige stellvertretende Bundessprecher Alexander Gauland auf Einladung des russischen Oligarchen Konstantin Malofejew nach St. Petersburg und traf dort den ultranationalistischen Philosophen und Publizisten Alexander Dugin. Frauke Petry besuchte 2017 in Moskau Duma-Abgeordnete sowie den Nationalisten Wladimir Schirinowski. Es wurden auch Reisen in die von Russland annektierten oder kontrollierten Gebiete unternommen: 2016 hielt sich der damalige NRW-Landeschef und EU-Abgeordnete Marcus Pretzell auf der Krim auf. Begleitet wurde er von Markus Frohnmaier, dem damaligen Vorsitzenden der Jungen Alternative. Gunnar Lindemann reiste 2018 in den von russischen Separatisten kontrollierten Donbass.

Auch die heutige Parteiführung hält Kontakte nach Russland aufrecht. Tino Chrupalla traf sich 2020 mit dem Außenminister Sergej Lawrow in Moskau; Alice Weidel reiste 2021 in die russische Hauptstadt. Auch nach dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 besuchte Chrupalla die russische Botschaft in Berlin, ohne Kritik an Putin zu äußern.

Der AfD-Landesverband Bayern beschloss 2023 auf seinem Parteitag eine „Bayerische Dialoginitiative für Frieden in Europa”, die ein Ende der Waffen­lieferungen an die Ukraine, die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland und die Intensivierung der Zusammenarbeit forderte. Hans Neuhoff und Björn Höcke plädierten darüber hinaus 2022 in einer Europa-Resolution für eine strategische Neuausrichtung zugunsten der von Putin initiierten „Eurasischen Wirtschaftszone”, ein russisches Gegenprojekt zur EU. Der Europaabgeordnete Neuhoff unterhält zudem Kontakte zu russischen Offiziellen: Er nahm an Videoschalten mit der Duma teil, darunter der extrem rechte Politiker Leonid Sluzki.

Im November 2025 reiste Neuhoff nach Sotschi zu einer Konferenz. Ebenfalls vor Ort waren der Bundestagsabgeordnete Steffen Kotré und der AfD-Landes­chef aus Sachsen Jörg Urban. Kotré verteidigte die Teilnahme an dem Brics-Europa-Symposium als unproblematisch und erklärte gegenüber russischen Staatsmedien: „Deutsche Waffen töten in der Ukraine Russen, aber keine russischen Waffen Deutsche. Also das ist nicht unser Krieg.” Urban sagte vor russischem Publikum, es gebe in Deutschland politische Kräfte, „die diesen Weg der Konfrontation und der Sanktionen nicht weitergehen wollen”.

Bereits im November 2024 reisten der Bundestagsabgeordnete Rainer Rothfuß und der bayrische Landtagsabgeordnete Ulrich Singer zu einer Konferenz nach Sotschi. Dort kam es zu einem Treffen mit Dmitri Medwedew, dem früheren russischen Präsidenten und aktuellen stellvertretenden Leiter des Sicherheits­rats. Medwedew ist dafür bekannt, Deutschland regelmäßig militärisch mit dem Einsatz von Panzern und Raketen zu drohen. Heimlich mitgereist war auch der Europaabgeordnete Maximilian Krah, der sich mit Vertrauten des prorussischen ukrainischen Politikers Viktor Medwedtschuk traf.

Die Reisen nach Sotschi sind in der Partei umstritten. Nach der Reise 2024 hatte es in der Fraktion scharfe Kritik gegeben. Rothfuß wurde nach seiner Rückkehr in einer Sitzung der Bundestagsfraktion deutlich abgestraft. Auch die Reise 2025 blieb nicht ohne Widerspruch. Weidel distanzierte sich: „Ich kann nicht verstehen, was man da eigentlich soll. Ich hätte das so nicht gemacht.”

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