Behindertenfeindliche Ideologie in der AfD
Eine Reihe von Äußerungen von AfD-Funktionär*innen liefert Anhaltspunkte für eine behindertenfeindliche Ideologie in der AfD.
So bezeichnete Maximilian Krah, damals Mitglied des Europaparlaments und des Bundesvorstands, im Juli 2024 in einem Video die Tagesschau in einfacher Sprache als „Nachrichten für Idioten”.
Beatrix von Storch, stellvertretende Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, kommentierte Gelächter während ihrer Rede im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend mit den Worten:
Ich weiß nicht, warum Sie da so behindert lachen.
Die Verwendung von „behindert” als Verunglimpfung trägt dazu bei, eine Negativverwendung und -assoziation des Behindertenbegriffs aufrechtzuerhalten.
Emil Sänze, Co-Vorsitzender des AfD-Landesverbandes Baden-Württemberg, machte während einer Veranstaltung im Landtagswahlkampf am 14. Januar 2026 folgenden Kommentar:
Ich meine, Söder ist ja nicht nur körperlich behindert, auch manchmal geistig, meine Damen und Herren. Aber wir lassen ihn leben — er ist ja immer mal wieder witzig.
Hier stellt Emil Sänze einen Zusammenhang her zwischen Behinderungen und der Frage, wer leben dürfe, bei dem sich eine gedankliche Parallele zur nationalsozialistischen Ideologie aufdrängt.
Solche Äußerungen bleiben jedoch selten und ziehen sich nicht systematisch durch die AfD. Dadurch lässt sich hieraus jedenfalls kein Rückschluss auf eine behindertenfeindliche Ideologie der AfD als Partei ziehen.
Daran ändert auch eine aufsehenerregende Kleine Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion aus dem Jahr 2018 nichts. In deren Vorbemerkung erläuterte die Fraktion zunächst, dass Behinderungen „u.a. durch Heiraten innerhalb der Familie” entstünden. Eine britische Studie sei zu dem Schluss gekommen, dass „60 Prozent der Todesfälle und Erkrankungen betroffener Kinder hätten vermie[d]en werden können, ‚wenn die Inzucht beendet würde’”
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Behinderten seit 2012 entwickelt, insbesondere die durch die Heirat innerhalb der Familie entstandenen (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
Wie viele Fälle aus Frage 4 haben einen Migrationshintergrund?
Die Kleine Anfrage wurde von Sozial- und Behindertenverbänden dahingehend kritisiert, dass sie die Grundhaltung eines Zusammenhangs zwischen Behinderung, Inzucht und Migration vermittele und dass eine Behinderung ein vermeidbares Übel sei. Das erinnere an die dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte, in denen Menschen mit Behinderung das Lebensrecht aberkannt wurde und sie zu Hunderttausenden Opfer des Nationalsozialismus wurden.
Im Rahmen der Debatte um die Kleine Anfrage verteidigte sich ein AfD-Fraktionsmitglied damit, dass es sich bei den Fragen um eine „Form der Recherche” handle.
Aus den oben aufgeführten Äußerungen geht zwar eine in der AfD tolerierte behindertenfeindliche Haltung hervor. Gemessen an der Größe der Partei prägt diese Haltung mangels hinreichender Verbreitung diese jedoch nicht, sodass eine behindertenfeindliche ideologische Grundtendenz nicht festgestellt werden kann.