Fazit: Formale Machtzentren
Die Analyse der formalen Machtzentren verdeutlicht, dass die Partei seit 2022 — anders als in der turbulenten Gründungsphase — unter stabiler Doppelspitze steht. Mit Weidel und Chrupalla führen dieselben Personen sowohl den Bundesvorstand als auch die Bundestagsfraktion, eine im deutschen Parteiensystem ungewöhnliche Personalunion, die beide Machtebenen verzahnt.
Die Zusammensetzung des Bundesvorstands und des Vorstands der Bundestagsfraktion offenbart darüber hinaus zwei zentrale Befunde zur Machtverteilung in der AfD. Zum einen sind ostdeutsche Landesverbände in beiden Gremien überrepräsentiert. Mit 50 Prozent im Bundesvorstand und 33 Prozent im Fraktionsvorstand stehen sie einem Mitgliederanteil von 24 Prozent gegenüber. Dadurch verfügen jene Verbände über einen überproportional hohen Einfluss, in denen der völkisch-nationalistische Flügel dominiert. Die Parteiführung ist damit personell eng mit den radikalsten Strukturen der Partei verwoben.
Zum anderen übernimmt eine Generation zentrale Führungspositionen, die ihre politische Prägung in der radikalen Jugendorganisation erhielt (dazu unter E.I). Dazu zählen Alexander Jungbluth, Dennis Hohloch und Hannes Gnauck im Bundesvorstand sowie Sebastian Münzenmaier und Markus Frohnmaier im Fraktionsvorstand. Die Junge Alternative fungierte damit als Kaderschmiede für die heutige Parteiführung. Diese Personen wurden politisch in einer Organisation sozialisiert, die extrem rechts steht und enge Verbindungen zur außerparlamentarischen extremen Rechten pflegte (dazu unter G.).
Die formalen Machtstrukturen werden damit von Vertreter*innen des extrem rechten Spektrums geprägt. Ein nennenswertes innerparteiliches Gegengewicht existiert nicht mehr. Der Bundesvorstand wird im Juli 2026 neu gewählt.